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Ostern allein zu haus…


Als ich vor 14 Tagen mit den Kiddies in den Flieger stieg, um in unser neues Zuhause in Riyadh zurückzukehren, hatten wir keine Vorstellung von dem, was uns erwartet. Jetzt sind wir ein Stück schlauer…


Die Schule ist geschlossen. Das Home-Schooling ist nahtlos in die Osterferien übergegangen. Und was dann ist, weiß hier niemand.

Die Straße von Hormuz ist geschlossen. Bis auf Weiteres – und "Weiteres" kann eine Woche, einen Monat oder ein Jahr bedeuten – kommen keine Rohstoffe mehr durch die Meerenge, weder rein noch raus. Das Meer gehört eigentlich niemandem. Aber das hilft nicht weiter, wenn über dem glitzernden Wasser Raketen fliegen und auf dem Meeresboden Minen lauern, die jeden Moment hochgehen können.

Die Ölanlagen, die die Welt bisher so nahtlos versorgten, werden unaufhörlich angegriffen. Doch hier gibt es etwas, was noch weitaus verletzlicher ist als die Ölfelder: die gigantischen Trinkwasseranlagen. 95 % des Wassers, das aus den Meeren im Osten, im Süden und im Westen kommt, muss erst durch die Entsalzungsanlagen gefiltert werden.


Es gibt keine Flüge mehr bis zum Ostersonntag. die gängigen Airlines haben alles gestrichen. Kein rein, kein raus. Dubai, die glitzernde Perle am Persischen Golf, liegt so abgeschnitten in der Sonne wie wir im halbleeren Gemeinschaftsgarten.

Ostern allein zu haus. Wir 3 feiern zum ersten Mal ohne Familie.

Freunde, die vor den Drohnen und Raketentrümmern nach England geflohen waren, können nun nicht wie geplant zurückkommen und beten stattdessen in London darum, dass die plötzlich dort grassierende Gehirnhautentzündung (Meningitis) ihre kleinen Kinder bitte verschonen möge! Eltern stehen Schlange um den Block, um irgendwie an Antibiotika zu kommen. Meinem Gefühl nach habe ich mit den Raketen das bessere Los gezogen. Es gibt für alles immer noch eine Steigerung.


WIE DER BLITZ AUS HEITEREM HIMMEL


Draußen klettert das Thermometer tagsüber manchmal schon wieder Richtung 40 Grad. Und manchmal sind es morgens auch nur 8°C. Die Temperaturen sind genauso unberechenbar wie die Weltlage.



Mit den Freunden, die noch da sind, werden wir heute alle zusammen grillen. Es erinnert ein bisschen – aber Gott sei Dank bisher nur ein bisschen!!! – an den legendären Blitz, als zunächst London, und dann auch alle englischen Industriegebiete von Hitler von September 1940 bis Mai 1941unaufhörlich Tag und Nacht bombardiert wurden. Die Antwort der Engländer war 1. auf keinen Fall aufzugeben trotz der verheerenden Schäden und 2. neun Monate in Luftschutzbunkern zu schlafen, 3. so viel zu feiern, wie es in jeder einzelnen Nacht nur möglich war, weil niemand wusste, ob es eine weitere geben würde, und 4. am nächsten Morgen weiterzumachen wie bisher.


Daran muss ich denken, wenn ich morgens in mein Auto steige, 160 km weit zur Bäckerei fahre, solange es noch Mehl gibt, und abends wieder 160 km zu meinen Kindern zurück. Ohne zu wissen, ob die Drohnen und Raketen, die auf Riyadh geschossen werden, wirklich und tatsächlich rechtzeitig abgefangen werden.

Und dennoch: Es sind immer noch alles Luxusprobleme im Vergleich zu dem, besonders junge Menschen seit Monaten im Iran erleiden.

Und dennoch: Die Gewissheit, dass alles schon irgendwie gut ausgeht, wird jeden Tag brüchiger.

Und dennoch: Irgendeinen Weg muss es doch geben, mit dem alle leben können.

Denn wenn nicht, was dann?






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