• Katrin Reichelt

Die Sache mit dem Weihnachtsmann



Als ich ein kleines Mädchen war, gab es bei uns zu Hause einen Weihnachtsengel, von meinen Eltern als Christkind vorgestellt. Er oder sie oder es war aus goldenem, gefaltetem Staniolpapier; mit – wie ich fand – wunderschönem Gesicht und Engelshaar.

Jedes Jahr zum 1. Advent stand dieser Engel, wie von magischer Hand dorthin gezaubert, auf unserem Fernsehschrank. Und ich hatte niemals den geringsten Zweifel, dass dieses Christkind existiert… ohne die Weihnachtsgeschichte zu kennen!



Als ich etwa 6 Jahre alt war, habe ich beim Sortieren des Weihnachtsschmuckes eine silberne Kugel zerbrochen. Ich war untröstlich. Denn der Weihnachtsschmuck war die heilige Geburtstagsdeko für das Christkind und ich war sicher, dass ich es unendlich traurig gemacht hatte.

Als ich nach einem tränendruchtränkten Mittagsschlaf erwachte, stand auf dem Tisch in meinem Zimmer eine ganze Schachtel mit solchen Kugeln: sechs Stück!!!!



So kam der Weihnachtsmann ins Spiel. Ich wusste zu 100%, so wie nur Kinder es wissen können, dass das Christkind diese Kugeln dorthin gestellt hatte, um mich zu trösten. Aber ich wusste auch, dass es sie nicht selbst gebracht haben konnte, sondern stattdessen den Weihnachtsmann schickte.



DER ZAUBER DER GEBURT


Egal, ob gläubig oder nicht: Jedesmal, wenn ein Kind geboren wird, wiederholt sich der Zauber der Weihnachtsgeschichte, auch im Frühling oder Hochsommer. Egal, ob seine Eltern es sehnlichst erwarteten, es nicht wollten, oder irgendetwas dazwischen: Für einen Augenblick hält die Welt den Atem an und steht in Anbetung vor diesem unfassbaren Wunder. Ob es in Kalkutta, Bratislava oder an der Upper East Side geboren wird: Wenn nicht alle schrecklichen Umstände zusammenkommen, steht irgendjemand an ihrer oder seiner Krippe und fühlt, wie sein Herz vor Liebe bricht.



Gibt es also ein Christkind? Ja. 157 x pro Minute wird weltweit ein neues geboren. Und zu jedem gibt es einen Weihnachtsmann, der sich um die Geschenke kümmert. Die ersten bekannten waren die Heiligen 3 Könige, die vermutlich nicht als Weihnachtsmänner bezeichnet werden möchten. Sie waren vielmehr Überbringer von Gaben für diesen kleinen Menschen, von dem damals noch niemand wusste, was einmal aus ihm werden würde. So, wie wir es bis heute nicht wissen, wenn wir unser Baby endlich im Arm halten


EIN WEIHNACHTSMANN PRO FAMILIE


Die Geschichte vom Weihnachtsmann macht aus meiner Sicht nicht den geringsten Sinn ohne das Christkind. Aber mit ihm ergibt sich alles wie von selbst. Und wenn man bedenkt, dass ein Kind (im günstigsten Fall) mit dieser innigen Liebe und Anbetung von seinen Eltern empfangen wird (und übrigens auch mit sehr vielen Geschenken): Warum nimmt man diesem Kind dann mit 6 oder 8 Jahren diese Geschichte wieder weg?

Wie kann es sein, dass ausgerechnet die Weihnachtsgeschichte zur ersten großen Lüge zwischen Eltern und Kind(ern) wird, obwohl sie keine Lüge ist?

Und: Warum darf es nur einen oder keinen Weihnachtsmann geben – statt für jedes Kind einen, der im Namen dieses so besonderen Anlasses und im Auftrag der Liebe die Gaben bringt?



Warum darf der Weihnachtsmann nicht der Bote dieser Feier eines einzigartigen und zugleich universellen Ereignisses sein? Dafür muss er nicht am Himmel mit einem Schlitten langrasen und magische Kräfte haben. Er ist einfach der Überbringer von Gaben für kleine und große Menschen, die einmal alle gleich, alle winzig, alle hilflos und in Tücher gewickelt angefangen haben… unabhängig von ihrem Glauben.


Der Weihnachtsmann, als Mittler zwischen Himmel und Erde, erlaubt den Kindern (auch den großen), sich wieder so besonders zu fühlen wie an dem Tag ihrer Geburt. Er bringt im Idealfall als größtes Geschenk eine Erinnerung zurück, die sie allenfalls in ihrem Unterbewusstsein gespeichert haben: wie schwer der Weg war, wie sehr sie geliebt wurden und wie sehr sie es verdienen, zweimal gefeiert zu werden: als Mensch und als Christkind!




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